Der Heidschnuckenweg

 

 

Nur wo du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen --- Johann Wolfgang von Goethe

 

Und ganz getreu diesem Motto ging es auf mein erstes ganz persönliches Abenteuer aber fangen wir von Anfang an ….

 

Der Heidschnuckenweg ist ein abwechslungsreicher Weg, der auf 223 Kilometern durch die Lüneburger Heide führt. Genau genommen von Hamburg-Fischbek bis zur Residenzstadt Celle. Der Weg führt unter anderem durch Buchholz i.d. Nordheide, Bispingen und Müden.

 

Die Idee den gesamten Weg zu laufen hatte ich bereits bei unserem Umzug von Hamburg in die Südheide. Viele Teilstücke bin ich in der Vergangenheit bereits gelaufen. Eher zufällig, denn der Zubringer zum Heidschnuckenweg führt direkt durch unseren Wohnort. Auch an unseren Lieblingsplätzen in der Heide sind die Wegemarkierungen mit dem "H" allgegenwärtig. Bei einer Internetrecherche zeigte sich schnell, dass dieser Weg besonders für Einsteiger geeignet ist. Nebenbei ist der Weg vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg ausgezeichnet worden und schaffte es 2013 auf Platz 3 der schönsten Wanderwege in Deutschland.

 

Der Heidschnuckenweg hat etliche Zubringer und führt fast immer durch kleine Heideortschaften in denen man einkehren oder einfach seine Vorräte wieder aufstocken kann. Durch einen tadellose Nah - und Fernverkehr und dem Heideshuttle ist man auf der gesamten Strecke immer flexibel. Der Hauptweg ist durchgehend mit einem Weißen H auf schwarzem Grund gekennzeichnet. Zur Hauptroute gibt es noch vier Varianten, die durch fantastische Heidelandschaften führen. Diese Alternativen bzw. Zubringer sind mit einem Gelben H auf schwarzem Grund markiert worden. Neben dieser Vielzahl an Wanderwegen gibt es auch noch Rundschleifen mit jeweils 38 und 50 km. Diese Rundwege verbinden landschaftlich attraktive Routen zu einer Tagestour.

  

 

Bedingt durch die Corona Pandemie, die uns alle Anfang des Jahres im Griff hatte wurde aus der Idee ziemlich schnell Realität, denn ich wollte diese Zeit besonders sinnvoll nutzen und habe mich am 24. April auf die erste Etappe gewagt. Von Hamburg-Fischbek ging es bis nach Buchholz i.d. Nordheide. Ein Auftakt mit knapp 26 km und mit 280m Bergauf kann man diese Etappe durchaus als „hügelig“ bezeichnen. Die Fischbeker Heide ist besonders großflächig und viel weitläufiger als ich erwartet habe. Von jeder Erhebung konnte man einen spektakulären Blick über die Landschaft genießen. Was mag wohl auf der anderen Seite zu finden sein? Die Landschaft ändert sich ständig. Schmale, sandige Pfade wechseln sich mit breiteren Forstwegen ab. Es ging durch offene Flächen und über schattige Waldgebiete, diese waren mir bei knapp 20 Grad und einem wolkenfreien Himmel besonders willkommen. Ein Aufstieg jagte den nächsten – es ging immer tiefer in die Heide und jeder Hügel bot mir einen noch fantastischen Weitblick über die Landschaft. Ich konnte die Stille genießen, denn die ersten zwei Stunden war ich komplett alleine unterwegs. Nur ich, das seichte Rauschen des Windes in den Bäumen und wohlklingendes Vogelgezwitscher. Ein fast schon zu idyllischer Start meiner Reise. Immer wieder musste ich stehen bleiben und meinen Blick über die Heideflächen schweifen lassen. Jetzt im April ist die Heidefläche eher braun und die Vorstellung, dass nur wenige Monate später alles in einem leuchtenden Lila erstrahlt, ist kaum vorstellbar. Und so setze ich einen Schritt vor dem nächsten. Das letzte Stück führte mich durch den Stadtpark und entlang der Innenstadt bis zum Bahnhof in Buchholz. Mit einer Kugel Vanilleeis war ich am Ende des Tages durchaus zufrieden mit mir, meiner Leistung und der Route. Dennoch war diese Etappe lang, sandig und für meine Kondition schon sehr anstrengend aber sie gehört zu einen der schönsten auf dem gesamten Weg.

 

 

Am zweiten Tag ging es dann auf 15 km nach Handeloh. Nach einem steilen Anstieg hat man auch die Höllenschlucht erreicht. Ein tief eingeschnittenes Trockental. Die steil abfallenden Ränder sind kaum 10 Meter hoch aber eindrucksvoll ist es allemal. Dunkle Wolken am Himmel und der herannahende Regen lassen das Höllental gespenstisch wirken. Die Ränder des Höllentals lagen im Schatten und wirkten viel steiler als es mir mein Wanderführer weiß machen wollte. Schnell setze ich meinen Weg fort. Kurze Zeit später weitet sich der Weg erheblich und die Landschaft ist wieder offen und einladend. Nur kurz hinter dem Höllental wartet auch schon der Brunsberg mit einem grandiosen Blick über das gesamte Areal. Ein rundum gelungener Panorama Blick. Auf einer Bank habe ich es mir dann mit Jack gemütlich gemacht. Bei Tee, Wasser und Keksen genossen wir diese Kulisse. Vom Brunsberg führt ein schmaler Waldweg weiter zum Bühsenbachtal. Diese Heidefläche wird durch einen kleinen Bachlauf durchzogen und die ganze Natur profitiert davon. Um uns herum summte es nur so vor Bienen und Insekten. Saftige Gräser säumen den Rand des Bachlaufs. Diesen kann man bequem über eine Brücke überqueren oder aber wie Jack, einfach durchwaten. Eine willkommene Abkühlung. Trotz des kühlen Vormittages hat es im Laufe des Tages aufgeklart und die Temperaturen sind fast schon sommerlich für diese Jahreszeit. Mit dem blöken der Heidschnuckenweg im Nacken machten wir und wieder auf dem Weg weiter nach Handeloh.

 

Laut meiner Reiseliteratur sollte die dritte Etappe wenige Heideflächen, dafür aber viel Wald für uns bereit halten. Da auch der Wetterbericht Wolken mit leichten Schauern voraussagte, konnte mich Jack wieder begleiten.Vom Bahnhof Handeloh sollte es also nach Undeloh gehen. Zwar startet der Weg eher unspektakulär am Bahnhof und wechselt rasch zu einem Feldweg aber etwa nach 4-5 km führt der Weg durch einen lichten Urwald entlang der Seeve. Alte knorrige , giftgrün moosbedeckte Bäume. Tief hängende Blätter von umgestürzten Bäume. Auf den Blättern glitzerten etliche Regentropfen bei jeden Sonnenstrahl, der sich heute durch die dicke Wolkendecke kämpfen konnte. Ein dicht bewachsener Pfad schlängelt sich durch diese unwirkliche Etappe. Das Rauschen der Seeve und die vielen verschiedenen Vogelgesänge ließen und immer wieder verharren. Ein kleiner Urwald mitten in der Lüneburger Heide.

 

Eine solche Landschaft habe ich bislang nirgends gesehen. Zwar ist das Pietzmoor bei Schneverdingen oder das Beckedorfer Moor ein Geheimtipp bei Wanderern. Solche naturnahen und schützenswerte Moorlandschaften findet man nur hier. Endlose Kehren durch Sumpf und Moor. Nieselregen lies die ganze Strecke schon fast mystisch wirken. Überall war Vogelgezwitscher zu hören. Mein Abenteuerherz schlug deutlich schneller. Diese Route wäre ich am liebsten direkt nochmal gelaufen. Der Regen hat mir, meiner Ausrüstung und auch Jack zugesetzt. Wir waren beide nass bis auf die Unterhose bzw, Unterwolle. Von Haar und Fell tropfte der kalte Regen. Mein Wangen waren rot von dem kalten Wind. Das Wetter ist passend für April genauso abwechslungsreich wie die Etappen des Heidschnuckenweges. In Undeloh wartet bereits mein Herzmann auf mich. Wie vereinbart wartet er mit trockene Kleidung und einem heißen Kakao auf uns. Für Jack ging es nach dieser längeren Pause nach Hause und für mich weiter über Wilsede nach Niederhaverbeck.

 

 

Kurz hinter Undeloh ist das Radebachtal. Eine wunderschöne Heidefläche. Auch hier erwartet mich wieder eine unfassbare Weite, die ich so sehr liebe! Bei uns in der Südheide sind die Heideflächen meist kleiner und von Wald umzäunt. Hier oben im Norden der Lüneburger Heide scheinen diese Flächen allerdings endlos. Breite, gut ausgebaute Wege führen mich rasch durch das Radebachtal. „Wilde“ Pferde und eine Rinderherde sind hier zuhause. Für wissbegierige Wanderer sind regelmäßig Lerntafeln aufgestellt. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es sich um den Undeloher Heidelehrpfad gehandelt hat. Hier kann man alles über die Entstehung und der Erhaltung der Heide erfahren. Für Kinder ist diese Etappe besonders schön. Die Besonderheit der Route ist allerdings Wilsede – autofrei und mit knapp 169 Metern wartet hier der höchste Punkt der gesamten Route. Der Wilseder Berg. Hier habe ich gemeinsam mit meinem Herzmann – pünktlich zum Sonnenuntergang – ein kleines Picknick eingerichtet. Hoch über der Heidefläche mit der Sonne im Gesicht eine ordentliche Brotzeit. Frisches Heidebrot vom örtlichen Bäcker mit saftigen Appenzeller Käse. Und nicht nur ich freue mich nach einer solchen Tagestour über eine Stärkung. Getrocknet und ausgeruht hat sich Jack natürlich auch zu uns gestellt. Der Abschluss des Tages und der zwei Etappen hätte schöner nicht sein können.