Der Heidschnuckenweg - Teil 2

Nach einer ordentlichen Verschnaufpause ging es dann einige Tage später von Niederhaverbeck nach Bispingen. Es gibt auch eine Route über Schneverdingen aber da ich diese Region bereits sehr gut kenne folgte ich dem Weg Richtung Brunausee. Die ersten Kilometer der rund 17 an diesem Tag sind wirklich sehr schön. Bei strahlendem Sonnenschein folge ich der Wegmarkierung.

 

Ich komme an kleineren Seen, an einem alten Schafstall und an einer Dünenlandschaft vorbei. Bei dieser Dünenlandschaft musste ich direkt an unseren Strandurlaub auf Norderney denken. Der Wind hat die Dünen in eine ähnliche Form gebracht. Wenn hier ein See oder ein kleines Meer um die Ecke wäre, würde mich das nicht wundern. Wirklich eindrucksvoll. Abgerundet wurden die ersten Kilometer mit gelb leuchtenden Ginster Pflanzen.

 

Das erste Etappenziel ist der Brunausee. Zwar verläuft der Weg nur kurz am Ufer entlang bevor sich der Weg an der Autobahn verläuft, Zeit für eine Pause hatte ich aber trotzdem oder genau deswegen. Der Himmel spiegelte sich wunderschön in dem See. Unter der Oberfläche konnte ich Fische entdecken. Laut Informationstafel handelt es sich um Brassen. Ein sehr unkomplizierter und anspruchslose Fischrasse. Sie liebt fließendes Gewässer und schlammigen Untergrund. Mit neuer Energie setzte ich meinen Weg fort und viel schneller als erwartet habe ich den Ortsrand von Bispingen erreicht. Anstrengend waren die Kilometer nicht, jedoch laufe ich viel lieber auf weichen Untergrund anstatt auf Asphalt.  

 

 

 

Von der Kirche in Bispingen geht es auf der sechsten Etappe weiter nach Soltau. Eine Strecke mit deutlich mehr Asphalt. Die 23 Kilometer starten mit einem Besuch beim Abenteuerspielplatz und verläuft dann auf schmalen Wegen immer tiefer in den Wald. Zwar hört man den Lärm der nahen Autobahn dennoch fühlt es sich so an, als wäre ich mitten im tiefen Wald. Etliche Kilometer bin ich bereits unterwegs und dennoch habe ich das Gefühl immer noch in den selben Waldabschnitt unterwegs zu sein. Dann endlich wechselt die Landschaft. Ich betrete den Kreuzberg. Ein Geheimtipp, denn Touristen verlaufen sich nur sehr selten hierher. Vom höchsten Punkt kann man sogar die Fahrgeschäfte vom Heidepark Ressort sehen. Durch die Corona Pandemie herrscht dort allerdings gespenstische Stille. Nur ein Fischreiher treffe ich am Zaun des Geländes bevor ich über den Parkplatz Richtung Wald verschwinde. Der Weg zum Zentrum verläuft an der Böhme. Das friedliche Plätschern lässt mich mit meinen Gedanken immer wieder abdriften und zum ersten Mal auf der gesamten Route verlasse ich den Heidschnuckenweg und folge einem gewöhnlichen Wanderweg durch den örtlichen Stadtpark. Viel zu spät merke ich meinen Fehler. Zum Glück waren es nur 2 Kilometer und schnell bin ich wieder auf dem ausgewiesenen Weg. 

 

 

Vom Stadtzentrum Soltau führt mich die nächste Etappe nach Wietzendorf. Die Landschaft ist nicht mehr von weiten Heidelandschaften geprägt, sondern eher von tiefen Waldgebieten. Ganz typisch in der Südheide. Auf den 18 Kilometern ging es mal durch lichten, mal durch sehr tiefen verwachsenden Waldgebieten. Ohne Hund war mir schon etwas unbehaglich aber am Ende war ich doppelt so stolz auf mich. Ich bin deutlich über mich hinausgewachsen. Besonders in tieferen Wäldern gerate ich gerne mal in Panik. Ich stelle mir dabei immer die absurdesten Situationen vor und merke erst viel später, dass diese Angst nur in meinem Kopf existiert. Stolz, ausgelaugt und sehr hungrig werde ich bereits an der Touristeninformation in Wietzendorf erwartet. 

 

Von Wietzendorf ist es nur ein Katzensprung nach Hause und die Vorstellung kurz vor der Heimat zu sein motiviert mich zusätzlich. An Feldern vorbei verläuft der Heidschnuckenweg wieder durch Wälder. Dieses Mal aber nicht so tief wie die Route zuvor und lichter Wald wechselt sich mit kleinen Heideflächen ab und bevor ich so richtig in die Landschaft eintauchen kann stehe ich bereits vor dem Hermann-Löns-Denkmal , kurz vor Müden. Das ging viel schneller als erwartet. Da es hier bereits zur Mittagszeit gut besucht ist, mache ich mich ohne Pause weiter auf dem Weg zum Heidesee. Müden liegt nur fünfzehn Auto-fahr Minuten von zu Hause entfernt. So nah und doch so fern, denn zuerst müsste ich noch Fassberg, die Schmarbecker Heide und Oberohe durchqueren. Von dort würde mich ein Zubringer bis zu meiner Haustür führen. Klingt super oder?

 

 

 

Tja, ich habe mich aber für die alternative Route über Hermannsburg und Misselhorn entschieden. Zwar kenne ich beide Routen fast in Perfektion aber mir erschien diese Strecke an diesem Tag am attraktivsten. 

 

 

Doch zuerst ging es vom Heidesee und der Wassermühle am Fluss-Erlebnis-Pfad nach Hermannsburg. Kein Wunder, dass ich diese Strecken in Rekordzeit zurückgelegt habe. Nicht, weil ich mir keine Pausen gegönnt habe sondern lediglich weil ich diese Strecken bestens kenne und alle Besonderheiten fast täglich genießen darf.

 

Die letzten Etappen habe ich zusammengelegt. Von Hermannsburg ging es nonstop bis nach Celle. Knapp 40 Kilometer habe ich mir vorgenommen. Wohl wissend, dass ich diese Distanz meistern kann. Das Wetter sollte, wie zu Beginn unserer Reise, mit knapp 20 Grad am wärmsten werden. Eine lange Strecke mit sommerlichen Temperaturen – meine ganz persönliche Herausforderung. Mittig der Route, etwa auf Höhe der Wildecker Teiche habe ich einen Versorgungspunkt mit meinem Herzmann ausgemacht. Dies war also mein erstes Ziel. Von Hermannsburg geht es zuerst zur Misselhorner Heide. Hier sind fast immer Heidschnucken unterwegs. Auch heute hatte ich wieder Glück. Direkt am Anfang der Misselhorner Heide empfing mich die Herde. Der Schäfer hatte das selbe Ziel wie ich – das Tiefenthal. Diese Heidefläche ist wirklich besonders gut besucht. Es gibt Kutschfahrten durch die Heide und am Parkplatz wird Heidehonig verkauft. Die Picknickbänke sind immer restlos belegt. Für mich ging es daher zügig weiter. Kurz hinterm Tiefenthal erwartet mich auch schon der Angelbecks Teich. Der Angelbecks Teich ist barrierefrei ausgebaut und besonders beliebt. Meistens blüht hier die Heide zur Heideblüte als erstes, denn durch den Teich wird die Fläche besonders gut mit Nähstoffen versorgt. Der Dehningshof liegt nur wenige Meter weiter.

 

 

Endspurt! Die letzen 27 Kilometer bis nach Celle. Als Belohnung für diese ersten Kilometer habe ich mir kurz hinterm Dehningshof in der Seveloher Heide eine längere Pause gegönnt. Ein kleines Paradies mitten im Wald. Den Weg teilt man mit Reitern, Bikern und wenigen anderen Wanderern. Im Gegensatz zur Misselhorner Heide scheint die Welt hier fast stillzustehen. Diese deutliche Ruhe tut mir besonders gut. Die Sonne hat mir ziemlich zugesetzt. Mein Wohlfühltemperatur liegt bei maximal 20 Grad. Mein kleines Thermometer lässt aber zur Mittagsstunde rund 25 Grad verheißen. Der steile und sandige Aufstieg zum Citronenberg raubte mir dann die letzten Kraftreserven. Wohl wissend, dass die Wildecker Teiche nicht mehr weit sind schleppe ich mich weiter. Die Mühe lohnt aber. Der Teich ist sehr gut versteckt. Mitten im Wald und nur schlecht mit dem Auto erreichbar verlaufen sich nur wenig Touristen hierher. Zugvögel sind hier regelmäßig zu Gast. Ich sehe bereits meinen Herzmann. Dank unserem Quads hat er den Treffpunkt sicher und schnell erreicht. Ich fülle meine Wasserreserven wieder auf und genieße fast eine Stunde mit ihm im Schatten. Wir lassen unsere Blicke über dieses Naturparadies streifen bevor sich unsere Wege wieder trennen. Die Pause kam genau zur richtigen Zeit. Mit voller Energie folge ich dem Weg weiter bis zum Segelflugplatz in Scheuen. Ich weiß gar nicht, wie lange ich hier gestanden habe um den Start – und Landemanövern zuzusehen. Von Scheuen ist es nur noch ein Katzensprung bis Groß – und Klein Hehlen. Nur noch die Aller-Wiesen trennen mich vom Ziel. Eine schöne Strecke entlang der Aller. Rund 3 km vor Ende meines Abenteuern kam mir mein Herzmann mit Jack entgegen und gemeinsam sind wir die letzten Kilometer gelaufen. Alles endete, wie es begann. Ich bin sehr dankbar, dass die gesamte Reise so gut und reibungslos geklappt hat. Mit tatkräftiger Unterstützung meines Supporteams wäre das sicher nicht möglich gewesen. Gerade in dieser besonderen Zeit musste man flexibel sein. 

 

Mein Fazit? Abwechslungsreich. Sehenswert und absolut zur Nachahmung empfohlen.

 

Die gesamte Tour ist für Einstiger ideal geeignet. Auch ohne moderne Navigationssysteme kommt man bestens aus und abgesehen von kleinen Steigerungen ist die Strecke einfach zu bewältigen. Dank dem Heideshuttle und div. anderen Angeboten kann man auch ohne Gepäck wandern und sich dieses dann in seine Unterkunft vorausschicken lassen. Die Etappen können , je nach Belieben, abgelaufen werden.

 

Empfohlen wird der Heidschnuckenweg in 13 Etappen – wir haben daraus 10 Etappen gemacht und hatten dennoch jede Menge Zeit um staunen und ausruhen.

 

 

Am schönsten ist die Heide natürlich Ende Juli/ August zur Heideblüte. In dieser Zeit strahlen die Flächen dann in einem satten lila.